WÄCHTER,C.G.(1767-1880), Pandekten. Hrsg.v.O.v. Wächter. 2 Bde., Leipzig 1880.…

WÄCHTER,C.G.(1767-1880), Pandekten. Hrsg.v.O.v. Wächter. 2 Bde., Leipzig 1880.

WÄCHTER, Carl Georg (1767-1880), Pandekten. Herausgegeben von Oskar von Wächter. Leipzig, Verlag von Breitkopf & Härtel, 1880. 8vo. (Reprint Vico Verlag, Frankfurt am Main 2010) (I:) XVIII, 594 S.; (II:) X, 886 S. (zus.: 1.510 S.) 2 Hlwd-Bde.

280,00

Order Number: 28608AB

Karl Georg von Wächter (1767-1880) ist ein Schüler von Thibaut in Heidelberg. Er wurde 1819 außerordentlicher, 1822 ordentlicher Professor in Tübingen, ging dann von 1833 bis 1836 nach Leipzig, um aber nach Tübingen zurückzukehren, und lehrte dort bis 1851. Er war 1851 und 1852 Präsident des Oberappellationsgerichts der freien deutschen Städte in Lübeck. Seit 1852 wirkte er als Rechtsprofessor in Leipzig. Wächter gehört zu den Professoren, die auch in der Politik des 19. Jahrhunderts eine Rolle gespielt haben. Er war in Württemberg Präsident der Abgeordnetenkammer (vor 1848) und später Abgeordneter des ersten nach 1866 gewählten norddeutschen Reichstages. Seit der Jahrhundertmitte hat er zu den angesehensten deutschen Juristen gehört. Als der deutsche Juristentag 1860 begründet wurde, wurde er zum ersten Vorsitzenden gewählt. Windscheid hat 1879 geäußert, er sei der einzige Jurist, dem man als Einzelperson die Abfassung des damals in der Beratung befindlichen Bürgerlichen Gesetzbuches hätte anvertrauen können. Sein Pandektenlehrbuch ist in Leipzig in den Jahren 1880-1881 erschienen. Es ist nach seinem Tode von seinem Sohn herausgegeben worden. Nach dem Vorwort des Herausgebers liegt dem Buch das Vorlesungsmanuskript zugrunde, das Wächter bei seinen Vorträgen über die Pandekten in Leipzig benutzt hat. Wächter hat jedoch selber diesen Text noch für die Buchausgabe vorbereitet und dazu zahlreiche Zusätze eingefügt. Das Buch folgt dem System Arndts, das Wächter bei seinen Vorlesungen zugrunde zu legen pflegte. Es findet sich daher regelmäßig vor jedem Paragraphen ein Hinweis auf den entsprechenden Paragraphen bei Arndt. Das Buch ist jedoch kein Lehrbuch, das nur einen Überblick vermittelt, sondern trägt eher den Charakter eines Handbuches. Wächters Darstellung ist von zwei Grundüberzeugungen geprägt: Einmal gibt er dem römischen Recht – obwohl er das Naturrecht ausdrücklich ablehnt- doch eine Art überzeitliche Stellung. Er sagt dazu im Vorwort, es sei ?zu beachten, daß ein großer Teil dessen, was wir römisches Recht nennen, nichts anderes ist als eine Aufklärung über die wahre rechtliche Natur gewisser Lebensverhältnisse…” Damit bekennt er sich zu Anschauungen, die in ähnlicher Form auch von Rudolf von Jhering und anderen Autoren der Jahrhundertmitte vertreten worden sind. Ferner schließt er sich enger als die Vertreter der historischen Rechtsschule unmittelbar an die Tradition des älteren gemeinen Rechts an. Dies zeigt sich nicht nur in seinen Literaturangaben, so wird zum Beispiel im § 16 noch eine Schrift von Gudelin aus dem 16. Jahrhundert zitiert, sondern vor allem darin, daß er dem gemeinen Recht zwar nicht mehr die allumfassende Bedeutung beimisst, die es im 16. Jahrhundert in Deutschland gehabt hat, aber es doch nicht allein auf das Privatrecht beschränkt, sondern ihm gleichzeitig die Bedeutung einer allgemeinen Rechtslehre zuweist. Entsprechend diesem Programm werden in dem Buch Fragen der allgemeinen Rechtsdogmatik vertieft behandelt. Als Beispiel könnte man den § 68 über den Erwerb der Rechte anführen. Außerdem leitet Wächter aus dieser Anschauung die Forderung ab, dass auch die Institute des sogenannten deutschen Privatrechts wenigstens durch Hinweise und Überblicke in das System des Pandektenrechts aufzunehmen seien. Dementsprechend gibt Wächter zum Beispiel im Pfandrecht in § 231 Hinweise auf die Umbildung des römischen Pfandrechts in den deutschen Partikularrechten und im Familienrecht einen Überblick über das persönliche Eherecht in § 232. Im Erbrecht wird in § 273 auch der Erbvertrag als Berufungsgrund behandelt. Hervorzuheben ist auch die breite Behandlung der Rechtsquellenlehre. Hier erörtert Wächter relativ eingehend Fragen des intertemporalen und vor allen Dingen des internationalen Privatrechts (§§ 31 & 32). Auf dem letzten Gebiet hatte Wächter in der ersten Jahrhunderthälfte bahnbrechende Arbeiten veröffentlicht, die zum Teil auch die Grundlage von Savignys Lehren zum internationalen Privatrecht bilden. Im Ganzen publizierte Wächter also ein außerordentlich bedeutendes und in seiner Zeit vielbeachtetes Werk.

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